Flash Download 3D-Zeitschrift benötigt das Flash 10.1 Plugin von Adobe.
Download von adobe.com

Bitte Stellen Sie sicher dass Javascript
in Ihrem Browser aktiviert und erlaubt ist.


Content:
1
direkt SBV-Wahl 2014 04 Interview mit Joachim Steck Mehr ... 12 SBV-Wahl 2014 - Wahlverfahren Mehr ... 24 Neues Landes-Behindertengleichstellungsgesetz: Das meint der VdK Mehr ... 26 Neue Leistungen: Was im Rentenpaket alles drinsteckt Mehr ...

2
Mit freundlicher Unterstützung von: www.menschenAb50.de Ein gutes Gefühl, vorgesorgt zu haben. • Sterbegeld-Vorsorge Plus • Pflegerenten-Risikoversicherung • Unfall-Vorsorge mit Notfall-Plus Premium • Spezial-Rechtsschutzversicherung Haben Sie Interesse? Dann wenden Sie sich an uns: ERGO Beratung und Vertrieb AG ERGO Stamm-Organisation / 55plus Überseering 45, 22297 Hamburg Tel 0800 3746925 (gebührenfrei) Impressum Herausgeber: Sozialverband VdK Landesverband Baden-Württemberg e.V. Johannesstraße 22 70176 Stuttgart Herstellung: Verlagsgesellschaft W.E. Weinmann e.K. Karl-Benz-Straße 19 70794 Filderstadt Fotos: fotolia Videos: VdK TV

3
Grußwort des Beauftragten der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Liebe Leserin, lieber Leser, in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. November 2014 werden wieder die Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben und Dienststellen gewählt. Die Vertrauensperson, so die korrekte Bezeichnung nach dem SGB IX, ist nicht nur das Sprachrohr für die Interessen der schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen im Betrieb bzw. in der Dienststelle, sondern setzt sich auch dafür ein, dass letztlich der gesamte Betrieb von ihrem Engagement profitiert. Eine inklusive und durchgängig barrierefreie Arbeitswelt nutzt allen und ist ein sichtbares Zeichen für gute und sichere Arbeit, soziale Verantwortung der Arbeitgeber und eine moderne Unternehmenskultur. Die Anliegen der Beschäftigten werden ernst genommen nach dem Motto der UN-Behindertenrechtskonvention „nichts ohne uns über uns“ und fördern Motivation und Eigenverantwortung und damit auch die Arbeitgeberinteressen. Gerd Weimer Beauftragter der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Mehr ... Als gewählte Interessenvertretung wacht die Schwerbehindertenvertretung darüber, dass der Arbeitgeber die ihm gesetzlich übertragenen Pflichten, insbesondere die Beschäftigungspflicht und die Fürsorgepflicht gegenüber schwerbehinderten Beschäftigten, erfüllt. Die Schwerbehindertenvertretung hat z.B. auch das Recht, eigenständig Maßnahmen beim Arbeitgeber oder beim Integrationsamt zu beantragen. Außerdem prüft sie Anregungen und Beschwerden von schwerbehinderten oder gleichgestellten Kolleginnen und Kollegen auf ihre Berechtigung hin. Zugleich hat sie vielfältigen Gestaltungsspielraum durch Beteiligungs-, Teilnahme-, Informations- und Initiativrechte. Die Schwerbehindertenvertretung nimmt somit eine wichtige Scharnierfunktion im Betrieb bzw. in der Dienststelle wahr. Sie bringt ihren Sachverstand und Erfahrung zum Wohle der schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen und des Betriebs bzw. der Dienst¬stelle ein. Damit die Schwerbehindertenvertretung auch im Zuge der kommenden Wahlen als starke Stimme im Betrieb bestätigt wird, appelliere ich an alle Wahlberechtigten, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und den Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, sich zu engagieren, ihr Vertrauen zu schenken und sie in ihrem Engagement zu bestärken. Wo immer mir das möglich ist, werde ich mich für die Stärkung der Rechte der Schwerbehindertenvertretung nach dem SGB IX einsetzten. Neben einer Erhöhung der Beschäftigungspflicht auf 6 % oder der Erhöhung der Ausgleichsabgabe denke ich insbesondere an verbesserte Freistellungsregelungen, Bildungsanspruch auch für Stellvertretungen, eine ausreichende Ressourcenausstattung und die Berücksichtigung globaler Unternehmensstrukturen bei der Zusammenarbeit der einzelnen Schwerbehindertenvertretungen, z.B. in Anlehnung an den Gesamtbetriebsrat. Die Stärkung der Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen und deren Rechte ist auch ein zentrales Anliegen des neuen Landes-Behindertengleichstellungsgesetzes.

4
Interview mit Joachim Steck freigestellter Gesamtschwerb der Landesbank Baden-Würt

5
ehindertenvertreter temberg LBBW Joachim Steck, 51 Jahre, Projektleiter Softwareentwicklung, Rollstuhlfahrer. Funktionen: Gesamtschwerbehindertenvertrauensmann der Landesbank Baden- Württemberg, Mitglied beim Widerspruchsausschuss beim Integrationsamt und beim Widerspruchsausschuss der Bundesagentur für Arbeit, ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht, Obmann der Schwerbehindertenvertrauenspersonen sowie Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen bei den obersten Landesbehörden und Vertreter im Landesbehindertenbeirat Baden-Württemberg. Redaktion: Herr Steck, dies sind ja ein Fülle von Aufgaben. Haben Sie überhaupt noch Freizeit? Joachim Steck: Solange man an der Tätigkeit Freude hat und sich einbringen kann, bin ich dabei! Der Grund für mein Engagement ist auch, dass man bei allen ehrenamtlichen Tätigkeiten tiefgreifende Kenntnisse erlangt, die man für die Arbeit der Schwerbehindertenvertretung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für das Unternehmen einbringen kann. Zudem zeigt meine langjährige Erfahrung, dass der Arbeitgeber die Tätigkeit als Schwerbehindertenvertrauensmann deshalb auch wertschätzt. Redaktion: Was glauben Sie ist die wichtigste Aufgabe der Schwerbehindertenvertretung? Joachim Steck: Nun, ich denke, eine der wichtigsten Aufgaben der Schwerbehindertenvertretung ist es dabei mitzuhelfen, dass Arbeitsplätze so individuell gestaltet werden, dass auch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, ihre Arbeitsleistung dauerhaft zu erbringen und sich dadurch dann auch als vollwertiges

6
Mitglied durch die Gesellschaft akzeptiert sehen. Letztlich muss man auch sehen, dass meist erst mit der Möglichkeit zu arbeiten Teilhabe für Menschen mit Behinderung greifbar wird. Besonders wichtig ist aber Einfühlungsvermögen, um sich in die Situation eines Mitarbeiters mit Behinderung hineinzuversetzen. Oft geht mit dem Verlust der Arbeitsfähigkeit natürlich eine gewisse Existenzangst einher. Oft hängen Familie usw. von der Erwerbstätigkeit ab. Hier sollte man dann schon kompetent sein und zuhören können, um weiterhelfen zu können. Redaktion: Wie sieht das dann konkret in der Praxis aus? Joachim Steck: Ha, manchmal ist die Schwerbehindertenvertretung natürlich auch der Prellbock für unterschiedliche Interessen. Beispiel: Ein Mitarbeiter möchte einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Der Arbeitgeber lehnt aus Kostengründen ab. Mein Ziel als Schwerbehindertenvertretung ist natürlich, möglichst einen Konsens für beide Seiten zu erreichen. Tatsache ist allerdings auch, dass der Arbeitgeber Krankengeld spart, wenn ein Arbeitsplatz entsprechend ausgestattet ist, weil aufgrund der Anpassung des Schreibtisches die Belastung beim Arbeiten variiert werden kann. Nicht zu unterschätzen ist auch die entstehende Motivation des Mitarbeiters, die er durch die Wertschätzung erfährt, wenn die Kosten des Schreibtisches durch den Arbeitgeber getragen werden. Nicht vergessen werden darf aber auch die Entlastung, die ein Team erfährt, wenn eines seiner Mitglieder weniger krank ist, weil der Arbeitsplatz entsprechend ausgestattet ist. Ein Arbeitgeber ist deshalb meist gut beraten, wenn er diese Art Leistungen finanziert. Konnte die

7
Schwerbehindertenvertretung hier der kompetente Mittler zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter sein, wird die Arbeit der Schwerbehindertenvertretung natürlich auch positiv wahrgenommen – für mich dann ein schöner Nebeneffekt und Lohn der Tätigkeit. Redaktion: Herr Steck, was war denn bisher Ihr schwierigster Fall? Joachim Steck: Kniegelenksarthrose nach Unfall, die eine Knieprothese notwendig machte. Danach entstanden andauernde schwere chronische Schmerzen. Immer wieder wurde versucht, den Arbeitsplatz weiter anzupassen, was letztlich aber scheiterte. Es wurde ein Tiefgaragenplatz eingerichtet, um die Wegefähigkeit zu sichern. Barrieren wurden beseitigt. Der Arbeitsplatz wurde in die Nähe eines Aufzugs verlegt. Dennoch stiegen die behinderungsbedingten Fehlzeiten weiter an. Es drohte die Aussteuerung. In den Fall waren unser Betriebsarzt, der sozialmedizinische Dienst sowie das gesamte betriebliche Gesundheitsmanagement mit einbezogen. Schwierig ist in derartigen Fällen eben auch, dass die existenzielle Grundlage bedroht ist. Krankengeld hat Lohnersatzfunktion, und was kommt danach? Die Möglichkeiten sind dann begrenzt. Eventuell steht Arbeitslosengeld zu oder es kann noch eine Reha gemacht werden oder es droht am Ende doch eine Erwerbsminderungsrente. Fazit ist, dass die finanziellen Einkünfte dadurch meist immer kleiner werden. Dieser Fall zeigt aber auch die Grenzen meiner Tätigkeit. Zwar konnte der Arbeitsplatz an sich erhalten bleiben – was auch ein Erfolg ist – nur konkret kann dieser nicht ausgefüllt werden. Redaktion: Sind Sie der Retter in der Not? Joachim Steck: Ich begreife meine Aufgabe eher als die eines Lotsen! Es ist meiner Meinung nach auch wichtig, wie im vorher beschriebenen Fall weiter den Kontakt zur betreffenden Person zu halten. Es ist ja nicht außerhalb aller Wahrscheinlichkeit, dass sich das Leiden wieder bessert, die Arbeitsfähigkeit zurückkommt und zu einem späteren Zeitpunkt das Arbeitsverhältnis wieder mit Leben ausgefüllt

8
wird. Das Ziel, die Betroffenen wieder in das Unternehmen zu holen, bleibt bestehen. Schließlich sind es qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für ein Unternehmen im stärker werdenden Fachkräftemangel auch in Zukunft wichtig sind. Redaktion: Was tut die Landesbank Baden-Württemberg generell, um die Arbeitsfähigkeit ihrer Bediensteten zu erhalten? Joachim Steck: Nun, wir haben ein ziemlich umfangreiches Gesundheitsmanagement. So sind alleine im Sportclub 38 Sportarten vertreten. Es bestehen Kooperationen mit Fitnessstudios und fördern somit Bewegung und Ausdauer der

9
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir haben aber auch Kooperationen mit Fachkliniken, um eine schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz zu gewährleisten. An allen zentralen Standorten der Landesbank Baden-Württemberg ist ein betriebsärztlicher Dienst sowie ein sozialmedizinischer Dienst/Sozialreferat eingerichtet. Um eine erfolgreiche Arbeit der Schwerbehindertenvertretung zu sichern, ist deshalb immer die Zusammenarbeit mit allen Akteuren im Betrieb notwendig. Redaktion: Wie sieht es denn bei den Führungskräften aus? Ist es hier angekommen, dass aufgrund des demografischen Wandels auch Belegschaften älter werden und damit auch meist Beeinträchtigungen seitens der Arbeitnehmerschaft zunehmen? Joachim Steck: Ja, das Thema ist natürlich angekommen. Letztlich kommt kein Betrieb oder Unternehmen ohne Arbeitnehmer aus. Hier geht aber auch die Landesbank Baden-Württemberg den richtigen Weg. Führungspersonal wird geschult, beispielsweise im Thema: „Psychische Gesundheit stärken“ unter dem Motto „Gute Führung, gute Arbeit“. Es wird in Zukunft sicher immer wichtiger, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wertschätzung erfahren. Ist dies der Fall, entsteht Motivation fast von alleine. Redaktion: Wie sieht denn bei der Landesbank Baden-Württemberg die Quote aus? Joachim Steck: Nichts ist so gut, als dass man es nicht verbessern könnte. Aktuell haben wir eine Quote von fast fünf Prozent. Wir sind aber auch auf einem guten Weg, da in diesem Jahr bereits mehrere neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung eingestellt wurden. Redaktion: Nun sind Sie ja nicht nur Gesamtschwerbehindertenvertrauensmann bei der Landesbank Baden-Württemberg, sondern auch noch beim Sozialverband VdK Baden-Württemberg engagiert.

10
Joachim Steck: Ja, seit über 10 Jahren bin ich Mitglied beim VdK und mittlerweile Landesobmann der Schwerbehindertenvertrauensleute des VdK. Damit bin ich Ansprechpartner für ganz Baden-Württemberg. Im Übrigen haben wir auch eine AG „Barrierefreies Baden-Württemberg“, die sich z.B. auch dafür einsetzt, dass Arbeitsplätze barrierefrei ausgestaltet werden und dadurch auch erreicht werden kann, dass ältere Arbeitnehmer länger gesünder arbeiten können. Redaktion: Nun sammelt man ja eine Menge Erfahrung als Schwerbehindertenvertrauensmann. Haben Sie das Gefühl, dass diese Erfahrung wahrgenommen wird? Joachim Steck: Wie heißt es so schön – „Tu Gutes und erzähle davon“. Es hängt natürlich auch sehr vom persönlichen Engagement ab, ob man in einem Betrieb oder Unternehmen wahrgenommen wird. Allerdings, denke ich, sind sich Arbeitnehmer mittlerweile bewusst, welchen Vorteil eine funktionierende Schwerbehindertenvertretung für sie hat und was diese bei Beteiligung auch bewirken kann. Redaktion: Nun sind Sie ja auch noch ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht Baden-Württemberg hier in Stuttgart. Sieht Sie Ihre Frau eigentlich noch? Joachim Steck: Die Erfahrung als ehrenamtlicher Richter will ich nicht missen, denn man bekommt erstens aus erster Hand einen Eindruck davon, wie unserer Rechtssystem arbeitet und zweitens kann man bei der Fallberatung mit dem Gericht seine eigenen Erfahrungen mit einbringen. Es geht ja gerade darum, vernünf-

11
„Es wird in Zukunft sicher immer wichtiger, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wertschätzung erfahren. Ist dies der Fall, entsteht Motivation fast von alleine.“ tige Lösungen zu finden, die – das sei auch gesagt – durch Gesetze nicht immer gefördert werden. Mit meiner Frau nehme ich zum Ausgleich an Ausfahrten des Mercedes-Benz W124-Club Deutschland teil. Redaktion: Hinweisen sollten wir noch darauf, dass Sie auch Mitglied im Landesbehindertenbeirat des Landes Baden-Württemberg sind. Was passiert denn dort? Joachim Steck: Nun, ich bin dort Mitglied als Vertretung des Sozialverbandes VdK Baden-Württemberg. Wie Sie selbst wissen haben wir über 220.000 Mitglieder in Baden-Württemberg und eine Vielzahl davon sind Menschen mit Behinderung, deren Interessenvertretung wir sind. Der Landesbehindertenbeirat ist ein beratendes Gremium, welches über den Landesbehindertenbeauftragten die Landesregierung berät, aber auch die Interessen der Menschen mit Behinderung dort hochhält. Ich denke das Gremium wird zukünftig noch wichtiger werden, als es bereits ist. Aktuell steht die Novellierung des Landesbehindertengleichstellungsgesetzes an. Redaktion: Herr Steck, zum Schluss noch unsere obligatorische Frage zu unserem Internetportal und unserem eMagazin „SBVdirekt“: Kennen Sie dieses und wenn hoffentlich „Ja“, was halten Sie davon? Joachim Steck: Eine gelungene Sache mit sehr vielen Informationen! Aber sicherlich lassen sich noch mehr praktische Informationen unterbringen, damit wir Schwerbehindertenvertrauensleute nur noch auf den Knopf drücken müssen, um die Arbeit zu machen (lacht!). Redaktion: Vielen Dank für die positive Rückmeldung. Ihnen wünschen wir für Ihre weitere Arbeit alles Gute! pf/ Stand 30.09.2014

12
SBV-Wahl Schwerbehindertenvertretung: vereinfachtes und förm Voraussetzungen In Betrieben mit mindestens fünf schwerbehinderten Beschäftigten können eine Schwerbehindertenvertretung sowie ein oder mehrere Stellvertreter gewählt werden. Bei weniger als fünf Schwerbehinderten können in Absprache mit Arbeitgeber und Integrationsamt für die Wahl Betriebe oder gleichstufige Dienststellen zusammengefasst werden, wenn sie räumlich nahe beieinander liegen. Wahlberechtigt sind alle schwerbehinderten Beschäftigten, wählbar sind alle Beschäftigten, sofern folgende Voraussetzungen vorliegen: • mindestens 18 Jahre alt, • nicht nur vorübergehend beschäftigt, • Betriebszugehörigkeit von mindestens sechs Monaten, • keine leitende Position.

13
liches Wahlverfahren Wahlverfahren I. Vereinfachtes Verfahren In den meisten Fällen wird ein vereinfachtes Wahlverfahren angewandt werden können. Es kommt dann zum Einsatz, wenn der Betrieb weniger als 50 Wahlberechtigte hat und einzelne Betriebsteile räumlich nicht bedeutsam voneinander entfernt liegen. Beim vereinfachten Wahlverfahren ist folgende Vorgehensweise zu befolgen: 1. Einladung zur Wahlversammlung. Ist bereits eine Schwerbehindertenvertretung vorhanden, so übernimmt diese sämtliche Vorbereitungen und die Wahlleitung selbst, ansonsten werden die entsprechenden Aufgaben von drei Wahlberechtigten, vom Betriebsrat oder vom Integrationsamt übernommen. Zwar gibt es für den Zeitpunkt der Einladung keine gesetzlich vorgeschriebene Frist, sie sollte jedoch mit mindestens drei Wochen Vorlauf so rechtzeitig erfolgen, dass alle Wahlberechtigten die Möglichkeit zur Teilnahme erhalten. Gibt es (noch) eine amtierende Schwerbehindertenvertretung, so hat die Einladung zur Wahlversammlung spätestens drei Wochen vor Ablauf ihrer Amtszeit per Aushang zu erfolgen. Ein schriftlicher Aushang ist zwar nicht zwingend vorgeschrieben, erleichtert jedoch bei einer eventuellen Anfechtung den Nachweis der rechtzeitigen Benachrichtigung. Ohne vorherige Ankündigung ist es nicht zulässig, eine normale Jahresversammlung spontan zur Wahlversammlung zu nutzen. Beide Versammlungen können am selben Tag stattfinden, sind jedoch streng voneinander abzugrenzen. Ein Wechsel vom vereinfachten zum förmlichen Wahlverfahren ist nicht zulässig. 2. Vorbereitung der Wahl. Hierfür müssen geeignete Räumlichkeiten reserviert und ausgeschildert werden, Wahlkabinen oder Ähnliches zum unbeobachteten Ausfüllen müssen eingerichtet werden. Hierbei ist insbesondere auf Barrierefreiheit

14
zu achten. Blankounterlagen für die Stimmzettel (getrennt für das Amt der Vertrauensperson und den Stellvertreter), Wahlumschläge, Stifte und eine Wahlurne müssen besorgt werden. In der Nähe des Wahllokals sollte es eine Kopiermöglichkeit für die Stimmzettelvorlagen geben. Vom Arbeitgeber ist ein Verzeichnis der schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Beschäftigten einzuholen, um die Wahlberechtigung der Anwesenden feststellen zu können. 3. Wahlleitung. Der Wahlleiter wird von den anwesenden Wahlberechtigten mit einfacher Stimmenmehrheit gewählt. Er kann selbst wahlberechtigt sein, dies ist aber keine Voraussetzung. Ggf. kann er einen Wahlhelfer bestimmen. Als Erstes prüft er die Wahlberechtigung der Anwesenden. 4. Wahlgang und Stimmabgabe. Über die Zulassung zur Stimmabgabe und die Anzahl der zu bestimmenden Stellvertreter der Schwerbehindertenvertretung wird mit einfacher Stimmenmehrheit beschlossen. Für die Wahl der Vertrauensperson und der Stellvertreter sind zwei Wahlgänge vorgesehen. Vor jedem Wahlgang bittet die Wahlleitung um (formlose) Wahlvorschläge. Daraufhin wird ein Stimmzettel mit den vorgeschlagenen Kandidaten erstellt, vervielfältigt und verteilt. Jeder Wähler muss seine Stimme unbeobachtet abgeben können (mit Wahlumschlag), eine Wahl durch Zuruf oder Handzeichen ist in diesem Wahlverfahren unzulässig, ebenso wie eine Briefwahl. Für die Wahl der Vertrauensperson darf lediglich eine Stimme abgegeben werden, für die Wahl des oder der Stellvertreter so viele Stimmen, wie Stellvertreterposten zu vergeben sind.

15
5. Stimmauszählung und Wahlergebnis. Die Stimmen werden unmittelbar nach der Wahl öffentlich ausgezählt und das Ergebnis wird festgestellt. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los oder eine Stichwahl. Eine Niederschrift des Wahlergebnisses wird empfohlen, um im Fall einer Ablehnung durch einen Bewerber den Kandidaten mit der nächsthöheren Stimmenzahl feststellen zu können. Die gewählten Bewerber werden unverzüglich (schriftlich oder mündlich) benachrichtigt. Die gewählten Bewerber haben innerhalb von drei Arbeitstagen nach Zugang der Benachrichtigung die Möglichkeit, die Wahl abzulehnen. Sobald die Gewählten endgültig feststehen, werden die Namen durch Aushang bekannt gemacht; eine direkte Mitteilung erfolgt an den Arbeitgeber, den Betriebsrat und das Integrationsamt. Die Wahlunterlagen sind der gewählten Vertrauensperson zu übergeben und von dieser mindestens bis zum Ende der Wahlperiode aufzubewahren. II. Förmliches Wahlverfahren Sind in einem Betrieb mehr als 50 Schwerbehinderte oder ihnen Gleichgestellte beschäftigt oder liegen einzelne Betriebsteile weit auseinander, so muss das förmliche Wahlverfahren angewandt werden. Das Verfahren stimmt grundsätzlich mit dem vereinfachten überein, jedoch sind hier bestimmte Fristen und einige Formalitäten einzuhalten, sodass der bürokratische Aufwand höher zu veranschlagen ist. 1. Bestellung des Wahlvorstands. Dieser wird spätestens acht Wochen vor Ablauf der Amtszeit der amtierenden Schwerbehindertenvertretung bestimmt. Existiert keine Schwerbehindertenvertretung (mehr), laden drei Wahlberechtigte, der Betriebsrat oder das Integrationsamt rechtzeitig zu einer Wahlversammlung ein, in welcher der Wahlvorstand mit einfacher Mehrheit gewählt wird.

16
Der Wahlvorstand besteht aus drei volljährigen Beschäftigten, die selbst nicht wahlberechtigt (d. h. schwerbehindert) sein müssen. Einer von ihnen wird zum Vorsitzenden ernannt. Die Bestellung von Ersatzmitgliedern ist nicht vorgeschrieben, aber empfehlenswert, da der Wahlvorstand bei eventueller Ablehnung eines Mitglieds nicht mehr handlungsfähig wäre. 2. Vorbereitung der Wahl. Der Wahlvorstand legt Ort, Tag und Zeit der Stimmabgabe fest. In seiner ersten Sitzung beschließt er gemeinsam mit der amtierenden Schwerbehindertenvertretung, dem Betriebsrat und dem Arbeitgeber, wie viele Stellvertreter gewählt werden sollen. Anschließend legt der Wahlvorstand eine Liste der Wahlberechtigten zur Einsicht aus. Die Auskünfte hierfür müssen vom Arbeitgeber erteilt werden. Spätestens sechs Wochen vor dem Wahltag werden mit Hilfe eines Wahlausschreibens alle Wahlberechtigten über die Wahl und die Formalien für Wahlvorschläge informiert. Die Vorschläge können innerhalb von zwei Wochen getrennt für das Amt der Vertrauensperson und für das Amt des Stellvertreters schriftlich eingereicht werden. Jeder Wahlvorschlag muss mindestens von drei Wahlberechtigten unterschrieben sein und der vorgeschlagene Bewerber muss seiner Kandidatur schriftlich zustimmen. Spätestens eine Woche vor der Wahl muss der Wahlvorstand die Namen der Kandidaten bekannt geben.

17
3. Wahl. Der Wahlvorstand organisiert und beaufsichtigt die Durchführung der Stimmabgabe. Er kann freiwillige Wahlhelfer heranziehen. Die Stimmabgabe hat geheim zu erfolgen. Sollte ein Wähler infolge seiner Behinderung Unterstützung benötigen, kann er eine Person seines Vertrauens hinzuziehen. Auch Briefwahl ist möglich. 4. Wahlergebnis. Der Wahlvorstand ermittelt unverzüglich nach der Stimmabgabe in öffentlicher Sitzung das Wahlergebnis. Der Bewerber mit den meisten Stimmen gilt als gewählt, bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Die Gewählten werden unverzüglich schriftlich informiert und haben im Anschluss drei Arbeitstage Zeit, die Wahl abzulehnen. Sobald die Gewählten endgültig feststehen, hat der Wahlvorstand die Namen bekannt zu geben und sowohl Arbeitgeber als auch Betriebsrat zu informieren. SBV-Wahl 2014 Nicht vergessen! Zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November 2014 sind in Betrieben und Behörden die Schwerbehindertenvertretungen zu wählen. Der KVJS Baden-Württemberg bietet hierzu ein spezielles Publikationspaket an. Den Auftakt macht eine 144-seitige Wahlbroschüre mit Wahlkalender und Formularen zum Aushängen. Hier können Sie die Broschüren bestellen

18
Viele Betriebe weit weg von der Wie geht unsere Arbeitswelt mit schwerbehinderten Menschen um? Wie müssen Arbeitsplätze künftig aussehen? Bei der Heilbronner VdK-Schulung für 500 Schwerbehindertenvertreter aus Baden-Württemberg ging es um Chancen und Perspektiven für Menschen mit Behinderung. Mit dem Heilbronner VdK-Kreisvorsitzenden Frank Stroh sprach Ulrike Bauer-Dörr. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten in den Betrieben steigt. Wird die Arbeitswelt bald von der Generation 50 plus dominiert? Frank Stroh: Immerhin hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der über 60-Jährigen fast verdoppelt. In Baden-Württemberg sind inzwischen rund 250. 000 Beschäftigte älter als 60. Die spannende Frage ist, wie sich die Betriebe auf eine immer älter werdende Belegschaft vorbereiten. Da gibt es aus unserer Sicht erhebliche Defizite. Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Erkrankung schwerbehindert zu werden. Wie gehen Betriebe mit diesem wachsenden Personenkreis um? Stroh: Die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Arbeitnehmer hat sich nur unwesentlich verbessert – obwohl es nationale und europaweite Initiativen und Förderprogramme gibt. Fünf Prozent der Beschäftigten sollen schwerbehindert sein. Tatsächlich liegt sie im Bereich der privaten Arbeitgeber bei 4,1 Prozent. Die Quotenerfüllung erfolgt in aller Regel nicht durch Neueinstellungen, sondern durch den Anstieg der Schwerbehinderten bei den bereits im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmern.

19
5-Prozent-Quote Es gibt also kaum Neueinstellungen bei Schwerbehinderten? Stroh: Das ist leider so. Wir haben auch im Aufschwung des Arbeitsmarkts eine deutlich geringere Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung. Besonders die Neueinstellung von Menschen mit Behinderung zum Beispiel aus Erwerbslosigkeit oder nach Ausbildungsabschluss trifft auf Barrieren. Dabei sind Menschen mit Handicap nicht weniger leistungsfähig als Nichtbehinderte. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen alle verfügbaren Fachkräftereserven genutzt werden. Dazu gehören unstreitig die schwerbehinderten Menschen. Was können Schwerbehindertenvertrauensleute in den Betrieben tun? Stroh: Sie können gemeinsam mit den Betriebsräten auf die Einhaltung der Beschäftigten-Quote von fünf Prozent drängen. Sie können auf Förderprogramme hinweisen. Sie können darauf hinweisen, dass Menschen mit Behinderung, wenn Sie richtig eingesetzt sind, überaus motivierte und engagierte Mitarbeiter sind. Aber sie sind letztlich machtlos, wenn sich Unternehmensleitungen und Personalleiter nicht ebenfalls positiv dieses Themas annehmen. Was fordert der VdK? Stroh: Die Stellung der Schwerbehindertenvertretung in den Betrieben muss verbessert werden. Sie müssen sich einfacher freistellen lassen können, weil ihre Aufgaben mehr werden. In vielen Betrieben sind die Instrumentarien des Schwerbehindertenrechts weitgehend unbekannt oder sie werden nicht ausreichend genutzt. Aus unserer Sicht müssen mehr Anstrengungen unternommen werden, Arbeitgeber- und Schwerbehindertenvertreter sowie Betriebsräte über die vorhandenen sozialgesetzlichen Instrumentarien aufzuklären. Heilbronner Stimme, 26.06.2014

20
RheumaPreis 2014 verliehen: Beeindruckende Berufswege auch mit Rheuma möglich Initiative prämiert zwei Arbeitnehmerinnen und eine Studentin mit Rheuma Berlin, 22. September 2014 – Zwei Berufstätige und eine Studentin mit Rheuma sind am 22. September bei einer feierlichen Preisverleihung in Berlin mit dem RheumaPreis 2014 geehrt worden. Rosemarie Dziurdz, Dr. Ilga Opterbeck und Lena Freudenmann erhielten diese Auszeichnung für ihre beispielgebende Weise, wie sie auch mit Rheuma ihren Berufsweg weiter verfolgen. Zur Seite stehen ihnen dabei zwei engagierte Arbeitgeber und eine Bildungsstätte – das Studentenwerk Berlin, die Ennepe-Ruhr-Kreisverwaltung und die Universität Tübingen wurden daher ebenfalls geehrt. RheumaPreis-Schirmherr Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales in Berlin, würdigte den Mut und das Engagement der Prämierten: „Die Diagnose einer chronischen Erkrankung ist immer ein tiefer Einschnitt in das bisherige Leben. Die Preisträgerinnen haben es geschafft, die einzelnen Bausteine ihres Lebens zu sortieren und neu zusammenzusetzen. Sie sind ein Vorbild, und ich habe große Hochachtung vor dieser Leistung und ihrem Lebensweg.“ Junge Menschen mit Rheuma beim Berufsstart unterstützen Positive Beispiele beruflicher Einbindung öffentlich zu machen und damit anderen Anregungen zum Nachahmen zu geben – das ist das Ziel der Initiative RheumaPreis. Seit sechs Jahren verleiht die Initiative, bestehend unter anderem

21
aus fünf Patientenvereinigungen, drei Berufsverbänden, einer gesundheitlichen Einrichtung und dem Biopharma-Unternehmen AbbVie, den RheumaPreis. „Der Preis soll darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Rheuma ein Handicap haben können, gleichzeitig aber vollwertige Arbeitskräfte sind“, sagte Ludwig Hammel, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew und RheumaPreis-Partner. Zwar belegen aktuelle Daten, dass Menschen mit Rheuma heute häufiger und länger berufstätig sind als noch vor zehn Jahren. Damit sich die Situation weiter verbessert, ist es wichtig, dass sich Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Ärzte und Akteure im Gesundheitswesen gemeinsam für dieses Ziel engagieren. Von großer Bedeutung ist dies vor allem für junge Menschen, die ihren Weg erst noch finden müssen. Erstmals waren daher in diesem Jahr auch Auszubildende und Studenten mit Rheuma zur Bewerbung um den RheumaPreis aufgerufen. „Junge Menschen mit Rheuma verdienen unsere besondere Unterstützung, damit ihre ersten Schritte ins Arbeitsleben erfolgreich verlaufen“, sagte Alexander Würfel, Geschäftsführer des Unternehmens AbbVie Deutschland, das Sponsor des Preisgelds ist. Würfel berichtete weiter: „Als Arbeitgeber haben wir die Erfahrung gemacht, dass junge Berufstätige mit chronischen Erkrankungen besonders motiviert und leistungsbereit sind. Es profitieren daher immer beide Seiten von einer erfolgreichen Einbindung in das Arbeitsleben.“ Leistungsbereitschaft, Motivation und Engagement – dies zeichnet auch die drei

22
Preisträgerinnen aus, die die RheumaPreis-Jury unter den zahlreichen Bewerbern, die bemerkenswerte Konzepte für ein Arbeitsleben mit Rheuma vorgestellt hatten, ausgewählt hat: Lena Freudenmann, Studentin der Molekularen Medizin, Universität Tübingen Bei RheumaPreis-Trägerin Lena Freudenmann führte die Diagnose „Mischkollagenose“ – eine entzündlich-rheumatische Erkrankung – zur Entwicklung eines konkreten Berufsziels. „Ich wollte wissen, wie der Mensch funktioniert, was ihn krank macht und wie Krankheiten behandelt werden können“. Um dies herauszufinden, begann die heute 21-Jährige vor zwei Jahren ein Studium der molekularen Medizin. Körperliche Einschränkungen machen es ihr nicht immer einfach, den anstrengenden Studienalltag zu bewältigen, doch die angehende Medizinerin kann sich auf ihr Umfeld verlassen: Ihre Dozenten stehen ihr beratend zur Seite und die Kommilitonen stellen Notizen zur Verfügung, wenn Schmerzen ihr das Mitschreiben unmöglich machen. Die Studentin würdigt diese Unterstützung mit hervorragender Leistung, hohem fachlichem Interesse und Engagement. „Rheuma ist kein Grund aufzugeben. Man muss erkennen, welche Chancen die Erkrankung mit sich bringt. Manchmal entsteht daraus wie bei mir sogar der Traumberuf“, sagt Lena Freudenmann. Preisträgerin Rosemarie Dziurdz, Bereichsleiterin Finanzen, Studentenwerk Berlin „Rheuma haben bedeutet nicht, dass man nicht produktiv sein kann“, weiß Rosemarie Dziurdz. Bereits seit 36 Jahren

23
„Mit der Möglichkeit, voll im Arbeitsleben zu stehen, bewahre ich mir meine persönliche Freiheit“. ist die Berlinerin beim Studentenwerk Berlin aktiv und leitet dort heute den Bereich Finanzen. Bei ihren Vorgesetzten gilt sie als gutes Beispiel dafür, dass man auch mit chronischer Erkrankung engagiert den Beruf ausüben kann. Rosemarie Dziurdz bedeutet ihr Beruf sehr viel, denn: „Mit der Möglichkeit, voll im Arbeitsleben zu stehen, bewahre ich mir meine persönliche Freiheit.“ Um sie dabei zu unterstützen, hat das Studentenwerk für eine ergonomische Arbeitsplatzausstattung mit höhenverstellbarem Schreibtisch und für eine Anpassung der Arbeitsabläufe gesorgt. In ihrer Abteilung ist die 58-Jährige anerkannt und beliebt – auch weil sie ganz offen mit ihrer Erkrankung umgeht: Ein kleiner Drache in ihrem Büro signalisiert den Kollegen, ob sie einen guten Tag hat oder eher etwas Ruhe braucht. Preisträgerin Dr. Ilga Opterbeck, Psychologische Beratungsstelle, Ennepe-Ruhr-Kreisverwaltung Erkrankungen werden oft als Schwäche angesehen, doch Dr. Ilga Opterbeck sagt von sich, dass ihr Rheuma sie stark gemacht hat: Die Psychologin ist dadurch ehrgeiziger und disziplinierter geworden. „Man sollte sich auf das konzentrieren, was man kann, und dies mit vollem Einsatz tun. So ist eine Karriere auch mit Rheuma möglich“, sagt die 35-Jährige. Für ihre Arbeit in der psychologischen Beratungsstelle der Ennepe-Ruhr-Kreisverwaltung setzt die Hagenerin deshalb ihr ganzes Können ein und kann dabei auf eigene Erfahrungen zurückgreifen: „Ich weiß, wie man mit Schmerzen umgehen kann. Da kann ich mich gut einfühlen.“ Dank flexibler Arbeitszeiten und einer Homeoffice-Regelung, die ihr die Kreisverwaltung ermöglicht, kann sie sich optimal bei der Arbeit einbringen und gleichzeitig auch für ihren zweijährigen Sohn da sein. „Lebe Deinen Traum und besinne Dich auf Deine Stärken“ – nach diesem Motto lebt und arbeitet Ilga Opterbeck. Der RheumaPreis wird im kommenden Jahr erneut ausgeschrieben. Informationen und Bewerbungsunterlagen sind ab Januar 2015 hier erhältlich

24
Das meint der VdK: Neues Landes-Behindertengleichstellungsgesetz Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. vertritt in Baden-Württemberg über 220.000 Mitglieder und setzt sich für die Interessen der Menschen mit Behinderung ein. Der Sozialverband VdK begrüßt den Gesetzentwurf zur Neufassung des Landes-Behindertengleichstellungsgesetzes (L-BGG) auf Grundlage des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-Behindertenrechtskonvention, UN-BRK). Derzeit leben allein in Baden-Württemberg über 1,1 Millionen Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 (Quelle: Jahresbericht 2013 der Versorgungsverwaltung Baden-Württemberg). Berücksichtigt man auch diejenigen Menschen, die mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 zwar nicht als schwerbehindert gelten und dennoch in ihrem Alltagsleben beeinträchtigt sind, so kommen nochmal 569.864 Menschen hinzu (vgl. aaO). Wir sprechen damit von fast 1,7 Millionen Menschen, die von Behinderung in Baden-Württemberg betroffen sind. Bei einem Bevölkerungsstand von derzeit knapp 10,8 Millionen Menschen entspricht das einem Bevölkerungsanteil von ca. 15,74 Prozent und damit fast einem Sechstel der Bevölkerung. Interessant dabei ist, dass die meisten Behinderungen im Laufe des Lebens erworben werden und nicht schon mit der Geburt vorhanden sind. Aufgrund des demografischen

25
Wandels der Gesamtbevölkerung ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Menschen mit Behinderung weiter erhöhen wird. Der Sozialverband VdK hat bereits in der Vergangenheit angemahnt, dass in Bezug auf das Landes-Behindertengleichstellungsgesetz mehr getan werden und das L-BGG in der Fassung von 2005 grundlegend novelliert werden sollte. Der VdK und die Menschen, die er vertritt, haben immer wieder Vorschläge gemacht, um die Rechte der Menschen mit Behinderung zu stärken. Seit Inkrafttreten des Landes-Behindertengleichstellungsgesetzes im Jahre 2005 sind nunmehr fast neun Jahre vergangen – ein sehr langer Zeitraum. Es freut uns deshalb sehr, dass nun endlich die Zeichen der Zeit erkannt wurden und nach den Eckpunkten zur Novellierung des L-BGG nun ein erster Gesetzentwurf zum L-BGG zur Anhörung freigegeben wurde. Dieser wird sich nun an der UN-BRK, aber zuvorderst an den Bedürfnissen der Menschen mit Behinderung zu orientieren haben. Nur so kann vollständige Teilhabe erreicht und sichergestellt werden, die das Attribut „Paradigmenwechsel“ auch verdient. Hier finden Sie die vollständige Stellungnahme des VdK: Informationen des Sozialministeriums finden Sie hier:

26
08 26 Neue Leistungen: Was im Re Die VdK-Zeitung informiert, wer von der „Rente ab 63“, der Mütterrente und der höheren Erwerbsminderungsrente profitiert Kaum ein Thema wurde in den vergangenen Wochen so heiß diskutiert wie das Rentenpaket. Am 13. Juni liegt es dem Bundesrat vor, und trotz teils heftiger Kritik aus Wirtschaft und Politik zeichnet sich ab, dass es am 1. Juli tatsächlich in Kraft treten wird. Es ist ein milliardenschweres Paket, das CDU/CSU und SPD zusammengeschnürt haben: Rund 60 Milliarden Euro werden bis zum Jahr 2020 dafür veranschlagt. Bis einschließlich 2018 soll es aus der Rentenkasse finanziert werden. Danach wird das Paket mit Steuermitteln bezuschusst. Das „Gesetz über Leistungsverbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung“ besteht aus vier Teilen: der Rente ab 63, der Mütterrente, der Erwerbsminderungsrente und einem höheren Reha-Budget. Abschlagsfreie Rente ab 63 Die „Rente ab 63“ ist der umstrittenste Teil des Rentenpakets: Ab 1. Juli können Arbeitnehmer, die 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente gehen. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren gibt es bereits seit 2012. Mehr ...

27
ntenpaket alles drinsteckt Jetzt Mitglied werden und regelmäßig die VdK Zeitung erhalten!

28
Links VdK Baden-Württemberg VdK Sozialrechtsschutz Unsere Referenten unterstützen Sie bei den Sozial- und Verwaltungsbehörden, stellen Anträge, legen für Sie Widerspruch ein, wenn Rechte verwehrt werden, und vertreten Sie vor Sozialgerichten in allen Instanzen. Unabhängigen Patientenberatung Deutschland | UPD UPD Beratungsstelle Stuttgart Für den Inhalt der folgenden gelinkten Seiten ist der VdK Baden-Württemberg nicht verantwortlich. Insbesondere macht er sich den Inhalt dieser Seiten nicht zu eigen.

29
Inklusion • Bundesministerium für Arbeit und Soziales Nationaler Aktionsplan: Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention • Beauftragter der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen in Baden-Württemberg (Landes-Behindertenbeauftragter) SBV-Wahl • Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) Forum Schwerbehindertenvertretung • KVJS – Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg Zahlen – Daten – Fakten • Statistisches Bundesamt • Statistische Ämter des Bundes und der Länder - Sozialberichterstattung Rentenpaket • Bundesministerium für Arbeit und Soziales • Deutsche Rentenversicherung Bund

30
Gerichtsentscheidungen Ausbildungsgeld: Anrechnung des elterlichen Einkommens nur bei Zusammenleben in häuslicher Gemeinschaft Der Fall: Die Klägerin ist behindert und macht eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Für sie ist Betreuung angeordnet. Sie lebte ein Jahr in einem eigenen Haushalt. Ihre Eltern sind verheiratet und leben nicht getrennt. Die beklagte Bundesagentur für Arbeit bewilligte der Klägerin Ausbildungsgeld. Dabei rechnete sie das Einkommen der Eltern an. Die Bundesagentur für Arbeit vertritt die Ansicht, dass bei nicht getrennt lebenden Eltern das Einkommen oberhalb des gesetzlich normierten Freibetrags ungeachtet der Frage anzurechnen sei, ob der behinderte Auszubildende bei seinen Eltern lebe oder nicht.

31
Die Entscheidung: Das Bundessozialgericht hat diese Auffassung zurückgewiesen. Die Vorinstanzen hätten zutreffend entschieden, dass der Klägerin Ausbildungsgeld ohne die leistungsmindernde Anrechnung von Einkommen ihrer Eltern zusteht. Die Klägerin absovierte als behinderter Mensch eine berufliche Ausbildung, für die ein Übergangsgeld nicht erbracht werden konnte. Sie führte einen eigenen Hausstand und war im Sinne des Gesetzes „anderweitig“ – nicht bei den Eltern – ohne Kostenerstattung untergebracht. Auf den Bedarf eines behinderten Auszubildenden findet zwar grundsätzlich eine Anrechnung von Einkommen statt. Behinderten Menschen will der Gesetzgeber jedoch im Grundsatz einen Anspruch auf Ausbildungsgeld unabhängig von einem Unterhaltsanspruch gewähren, sodass auf das Ausbildungsgeld eines behinderten Menschen Einkommen der Eltern nur anzurechnen ist, wenn der/die behinderte Auszubildende mit seinen Eltern in häuslicher Gemeinschaft zusammenlebt. BUNDESSOZIALGERICHT Urteil vom 14.5.2014 - B 11 AL 3/13 R – Hier finden Sie die vollständige Entscheidung:

32
Mehr ... 1,5 Millionen Euro für innovative Inklusionsprojekte Sozialministerin Katrin Altpeter hat am 25. September 2014 die 37 Modellprojekte bekannt gegeben, die im Rahmen der Projektförderung „Impulse Inklusion“ finanziell unterstützt werden. Gefördert werden innovative Projekte von Selbsthilfeorganisationen, Behinderteneinrichtungen, Kommunen und Vereinen, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen in Baden-Württemberg voranbringen wollen. Dafür stehen rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Inklusion kann nur gelingen, wenn die ganze Gesellschaft sich daran beteiligt. Deshalb fördern wir Menschen, die sich in ihren Gemeinden oder ihrer Nachbarschaft dafür engagieren, den Inklusionsgedanken in die Tat umzusetzen. Ich bin ganz begeistert, wie viele innovative Initiativen es bei uns im Land bereits gibt“, sagte die Ministerin in Stuttgart. Ausgewählt wurden insbesondere Projekte, die Menschen mit Behinderungen politische, gesellschaftliche oder kulturelle Lebensräume eröffnen, die ihnen bisher nicht oder nur schwer zugänglich sind. Hier finden Sie die vollständige Mitteilung:

33
7,5 Millionen schwerbehinderte Menschen leben in Deutschland WIESBADEN – Zum Jahresende 2013 lebten rund 7,5 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das rund 260.000 oder 3,6 % mehr als am Jahresende 2011. 2013 waren somit 9,4 % der gesamten Bevölkerung in Deutschland schwerbehindert. Etwas mehr als die Hälfte (51 %) der Schwerbehinderten waren Männer. Als schwerbehindert gelten Personen, denen von den Versorgungsämtern ein Grad der Behinderung von 50 und mehr zuerkannt sowie ein gültiger Ausweis ausgehändigt wurde. Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So war nahezu ein Drittel (31 %) der schwerbehinderten Menschen 75 Jahre und älter; knapp die Hälfte (45 %) gehörte der Altersgruppe zwischen 55 und 75 Jahren an. 2 % waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Mit 85 % wurde der überwiegende Teil der Behinderungen durch eine Krankheit verursacht. 4 % der Behinderungen waren angeboren beziehungsweise traten im ersten Lebensjahr auf. 2 % waren auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen. Zwei von drei schwerbehinderten Menschen hatten körperliche Behinderungen (62 %). Bei 25 % waren die inneren Organe beziehungsweise Organsysteme betroffen. Bei 14 % waren Arme und Beine in ihrer Funktion eingeschränkt, bei weiteren 12 % Wirbelsäule und Rumpf. In 5 % der Fälle lag Blindheit beziehungsweise eine Sehbehinderung vor. 4 % litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Der Verlust einer oder beider Brüste war bei 2 % Grund für die Schwerbehinderung. Auf geistige oder seelische Behinderungen entfielen zusammen 11 % der Fälle, auf zerebrale Störungen 9 %. Bei den übrigen Personen (18 %) war die Art der schwersten Behinderung nicht ausgewiesen. Bei knapp einem Viertel der schwerbehinderten Menschen (24 %) war vom Versorgungsamt der höchste Grad der Behinderung von 100 festgestellt worden; 32 % wiesen einen Behinderungsgrad von 50 auf. Weitere Auskünfte

34
So nutzen Sie die Funktionen des eMagazins Blättern Mit den Pfeilen rechts und links der Seiten blättern Sie durch das eMagazin. Die folgenden Funktionen finden Sie in der Menüleiste am oberen Bildschirmrand. Vollbild Größer Kleiner Mit dieser Funktion vergrößern oder verkleinern Sie die Bildschirmansicht nach Ihren Wünschen. Drucken Mit dieser Funktion drucken Sie die aktuelle Ansicht.

35
Speichern Mit dieser Funktion erzeugen Sie eine Ausgabe des eMagazins als pdf-Datei. So können Sie auch das vollständige Magazin ausdrucken. Suchen Mit dieser Funktion können Sie innerhalb des eMagazins nach bestimmten Begriffen suchen. Weitergehende Funktionen Im eMagazin finden Sie diese Hinweise in unterschiedlichen Farben: Mehr ... Mit einem Mausklick auf das Pfeilsymbol gelangen Sie auf eine externe Unterseite oder finden eine pdf-Datei zum Öffnen oder Speichern. SEITEN Seiten direkt aufrufen Am unteren Bildrand finden Sie die einzelnen Seiten im Miniaturformat. Mit einem Mausklick auf die Miniaturen gelangen Sie direkt zur gewünschten Seite.

36